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19Feb

BVV stimmt mehrheitlich für Lückenschluss der Schöneberger Schleife im Wannseebahngraben

Ralf Kühne MdBVV

Ralf Kühne MdBVV

Die Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg stimmte in ihrer gestrigen Plenarsitzung mit den Stimmen der SPD- und der Grünen Fraktion für eine umgehende Realisierung des im Rahmen des Bürgerbeteiligungsverfahrens entwickelten und Ende vergangenen Jahres bereits einstimmig im zuständigen Fachausschuss beschlossenen Kompromissvorschlags für den Lückenschluss der Schöneberger Schleife im Wannseebahngraben und wies damit die Forderungen des Bürgerantrages der BI „Crellekiez Zukunft“ nach einer weiteren Überarbeitung als unrealistisch zurück.

Damit ist politisch der Weg für die Realisierung des letzten Teilstücks der Schöneberger Schleife, einer Kette von Grünanlagen auf ehemaligem Bahngelände mit Multifunktionsweg für den Rad- und Fußverkehr, frei gemacht worden. Nun ist das Bezirksamt am Zug, die Planung (Planzeichnung Wannseebahngraben / pdf ca. 1 MB) umzusetzen.

Mit der Realisierung des Teilabschnitts schließt sich damit auch im weiteren Sinn ein Kreis, denn an der Langenscheidtbrücke entstanden 1988/89, also vor mittlerweile 25 Jahren, auf Initiative der rot-grünen Mehrheit in der Bezirksverordnetenversammlung Schöneberg mit den Vorplätzen und Treppenanlagen in den Wannseebahngraben erste Vorratsbauten für das Projekt „Grüntangente statt Westtangente“, dessen wesentliche Teile in Schöneberg mit der Schöneberger Schleife umgesetzt werden.

Mit dem jetzt endgültig beschlossenen Planungsstand ist es gelungen, eine Vielzahl von Einzelinteressen unter einen Hut zu bringen: den dauerhaften Erhalt einer lebendigen Stadtnatur, den Wunsch der Anwohner*innen nach benutzbaren Grün- und Freiflächen, die Interessen des Fuß- und Radverkehrs zwischen Naherholung, Alltagsmobilität und Tourismus, eine Barrierefreiheit, die niemanden ausgrenzt und schließlich die Sicherheitsinteressen der Deutschen Bahn AG, hinter denen ja nichts anderes steht als der tagtägliche Wunsch tausender S-Bahn-Benutzer nach einem reibungslosen Betrieb. Dem steht der Verlust weniger Bäume gegenüber, der selbstverständlich zeit- und ortsnah durch Nach- und Neupflanzungen mehr als ausgeglichen wird.

An dieser Stelle wollen wir auch der Deutsche Bahn Netz AG noch einmal für die Offenheit und Bereitschaft danken, auf die Vorschläge des Bezirkes einzugehen und Kompromisse zu finden, obwohl sie dazu nicht verpflichtet wäre. Dies kann auch Vorbild für zukünftige Projekte sein, zum Beispiel die Verlängerung der Schöneberger Schleife über die Stammbahnstrecke in Richtung Steglitz oder die Sicherung großer Ruderalflächen entlang der Anhalter und Dresdner Bahn im Bezirk.

Ralf Kühne
Stadtentwicklungspolitischer Sprecher der Fraktion

Fragen und Antworten zum Projekt

Sind die Anwohner/innen des sog. Wannseebahngrabens in die Planungen dieses Abschnitts der Schöneberger Schleife mit einbezogen worden?

Ja, es gab das Werkstattverfahren, Ortsbegehungen, eine Ausstellung, Infobroschüren und ausführliche Dokumentationen im Internet. Als Ergebnis wurde u. a. der Hauptweg deutlich zur S-Bahn hin verschoben. Ein wesentlicher Teil der ursprünglich geplanten Rodungen konnte dadurch vermieden werden.

Warum kann die von vielen AnwohnerInnen gewünschte Planungsvariante 1 nicht realisiert werden?

Diese Variante sah einen Großteil der Wegeführung auf der derzeitigen Baustraße der Deutschen Bahn (DB) vor. Sie hätte den größtmöglichen Schutz der Vegetation bedeutet. Auch die Fraktion der Grünen hatte sich für diese Variante ausgesprochen. Die DB hat jedoch dieser Wegeführung aus betriebs- und sicherheitstechnischen Gründen nicht zugestimmt. Der vorhandene Kabelkanal ist ein existenzieller Bestandteil der Bahninfrastruktur und muss jederzeit zugänglich sein, um den S-Bahnbetrieb zu gewährleisten. Er kann nur an drei eng begrenzten Stellen vom Hauptweg überquert werden. Deshalb musste ein Kompromiss bei der Wegeführung gefunden werden, der die Interessen der DB auf ihrem Betriebsgelände und die Interessen der S-Bahn-BenutzerInnen berücksichtigt.

Was passiert, wenn der Bezirk auf die Verlegung der Kabelkanäle besteht?

Dazu gibt es die eindeutige Aussage der DB, dass sie so einer Änderung nicht zustimmt und es damit die Schöneberger Schleife nicht geben wird.

Hat es Sinn, den Beginn der Baumaßnahmen zu verschieben und einen Runden Tisch zu initiieren, der Alternativen zum bestehenden Kompromiss der Wegeführung sucht?

Nein, es hat keinen Sinn, weil erstens substanzielle Änderungen beim Kompromiss mit der DB nicht zu erreichen sind. Zweitens läuft der Zeitrahmen für die Finanzierung aus, d.h. wenn nicht unverzüglich mit der Baumaßnahme begonnen wird, verfallen Fördermittel in Höhe von über 400.000 Euro. Der Bezirk kann die Schöneberger Schleife aus eigenen Mitteln dann nicht vollenden.

Warum muss mit den Baumfällungen noch im Februar begonnen werden?

Weil mit Beginn der Vegetationsperiode am 1. März Bäume nicht mehr gefällt werden dürfen. Ohne diese vorbereitenden Arbeiten jetzt durchzuführen, kann der Bau der Grünanlage aber in diesem Jahr nicht rechtzeitig begonnen werden, die Fördermittel verfallen.

Warum soll der kombinierte Fuß- und Radweg asphaltiert werden, statt ihn mit einer wassergebundenen Wegedecke zu versehen?

Wassergebundene Decken unterscheiden sich in Sachen Versiegelung kaum von asphaltierten Oberflächen. Sie benötigen dauerhafte Pflege, die aufwändig und teuer ist. Da dies bei der derzeitigen Haushaltslage nicht sichergestellt werden kann, verkommen sie schnell zu Matschbahnen. Für die Nutzung mit Fahrrädern, Rollstühlen, Kinderwagen und Skatebords sind sie weniger geeignet, da der Rollwiderstand erheblich höher ist und es häufig zu Beschädigung der Wegedecke kommt.

Kann auf den geschlängelten Weg an der Langenscheidtbrücke verzichtet werden?

Das wäre möglich, aber was bzw. wem würde das nützen? Für diesen Weg muss kein vitaler Baum gefällt werden. Der Weg erhöht den Erlebniswert der Grünfläche, ohne ihn würde mit Sicherheit ein unschöner Trampelpfad entstehen. Im Übrigen kann dieser Weg aus Rindenmulch ausgeführt werden.

Warum setzt sich die Grüne Fraktion für den Weiterbau der Schöneberger Schleife ein, auch wenn dafür Bäume gefällt werden müssen?

Die Schöneberger Schleife ist das Projekt einer Grünverbindung, das schon seit 30 Jahren existiert und das wir schon immer unterstützt haben. Mit ihr wird ein kombinierter Fuß- und Radweg errichtet, der als Rundkurs vom Potsdamer Platz zum Bahnhof Südkreuz und wieder zurückführt. Es wird eine öffentliche Grünfläche geschaffen, die zusammen mit dem Flaschenhalspark und weiteren Flächen entlang der Bahntrassen das bestehende Grün- und Freiflächendefizit in diesem Gebiet verringert.

Wir nehmen zur Kenntnis, dass es Anwohner/innen gibt, die unzufrieden mit der Öffnung des Geländes für alle interessierte Nutzer/innen, nicht nur die unseres Bezirkes, sind. Wir haben Verständnis für den Protest von Anwohner/innen gegen die anstehenden Baumfällungen, auch wir hätten uns eine andere Lösung gewünscht. Dennoch ist es so, dass der allergrößte Teil der Vegetation bestehen bleibt. Zwei zusammenhängende Vegetationsbereiche bleiben rechts und links der Langenscheidtbrücke erhalten, die Böschung wird in diesem Bereich eingezäunt und ist nicht zugänglich. Auf der östlichen Seite der S-Bahn bleibt ebenfalls eine sehr große Fläche unberührter Natur erhalten und dient als Biotopverbindung zwischen Gleisdreieck und Cheruskerpark. Von einer völligen Zerstörung der Stadtnatur im Wannseebahngraben kann also keine Rede sein.

Die Grüne Fraktion ist sich ihrer Verantwortung für die Einwohner/innen des ganzen Bezirks und darüber hinaus bewusst, dafür sind wir gewählt worden. Wir können es nicht verantworten, dieses herausragende Projekt scheitern zu lassen.

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