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10Sep

Vielfalt durch Einwanderung – Neue Impulse durch neue Bürgerinnen und Bürger

von Özcan Mutlu, MdA, Bundestagskandidat B’90/Grüne

Özcan Mutlu, Direktkandidat für Mitte (Foto: B'90/Grüne)

Özcan Mutlu, Direktkandidat für Mitte (Foto: B’90/Grüne)

Überfordert uns in diesem Land das Nebeneinander von Menschen verschiedener Herkunft? Ist die Integration der Migranten gescheitert? Sind Demokratie, Gleichberechtigung der Frau, deutsche Leitkultur und abendländische Werte diesen Menschen aus fremden Ländern mehrheitlich nicht beizubringen? So oder ähnlich sind die Fragen. Als Antwort – so hört man heute oft – sei das politisch korrekte Gutmenschengerede von „Multikulti“ endlich einzustellen zugunsten einer realistischen Betrachtungsweise.

Wohl wahr: Eine Gesellschaft der Verschiedenheit ist sicherlich kein fortwährendes Straßenfest und wer atavistische Wertvorstellungen in Verbindung mit hasserfülltem politischem Extremismus unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit propagiert, gehört nicht hierher.

Einwanderungsgesellschaften sind selten frei von Konflikten. Integration ist eben ein wechselseitiger Prozess, die Pflichten der Mehrheitsgesellschaft und die der Minderheiten sind dabei zwei Seiten derselben Medaille. Dieses Land hat erst vor Kurzem aufgehört zu leugnen, dass es über fünfzig Jahre schon de facto Einwanderungsland ist.

Deutschland wäre im wörtlichen Sinne ohne die Wirtschaftsleistung all seiner Immigranten, ihrer Kinder und Enkel arm dran. Erst als „Gastarbeiter“ in der Industrie und später als Gewerbetreibende und Unternehmer in allen möglichen Branchen trugen Immigranten zum deutschen Wohlstand bei. Allein 450.000 Jobs wurden von ca. 80.000 türkeistämmigen Unternehmen geschaffen, von der kleinsten Dönerbude bis zum weltweit operierenden Reiseunternehmen.

Immigration bietet neben wirtschaftlichen Effekten auch viele kulturelle Impulse. Eine neue Generation von KünstlerInnen prägt unser Land und seine Kultur. Diese neuen deutschen Kulturschaffenden, wie der Schriftsteller Feridun Zaimoglu oder die Intendantin des Maxim Gorki Theater, Shermin Langhoff, oder der Filmemacher Fatih Akin, sie alle sind Nachkommen der Gastarbeiter. Sie haben einen eigenen Blick, aber sie sind dennoch deutsch. Sie gehören zur einheimischen Kultur und bereichern diese. Auch im Sport ist Vielfalt ein Garant für den Erfolg, wie der Fußballvirtuose Mesut Özil bei jedem Länderspiel beweist.

In Deutschland tut man sich aber noch schwer mit der Vielfalt und sucht passende Ethnoschubladen. Zaimoglu, Langhoff, Akin, Özil und ihre Freunde repräsentieren eine neue Generation, die sich nicht auf Ihre Herkunft reduzieren lässt. Sie sind Repräsentanten der deutschen Gesellschaft. Sie sind auch Vorbilder: Wer in dieser neuen Gesellschaft ankommen will, muss die sterilen Alternativen von

Assimilation oder Parallelgesellschaft, deutsche Leitkultur oder Multikulturalismus hinter sich lassen. Ich bin als langjähriger Politiker Teil dieser hybriden Gesellschaft – mit all meinen Identitäten. Ich bin nicht allein und das ist auch gut so!

Deshalb wollen wir Grüne eine echte Willkommenskultur in unserem Land etablieren und die interkulturelle Öffnung der öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäusern, Polizei, Feuerwehr in den Ländern befördern. Wir wollen eine Einbürgerungsoffensive. Diese umfasst die Akzeptanz von Mehrstaatlichkeit und die Streichung des unsäglichen Optionszwangs. Letzteres ist nicht nur ein bürokratisches Monstrum, sondern entspricht auch nicht der Realität der Einwanderungsgesellschaft.

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