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19Sep

Das macht richtig Appetit – Gutes Essen statt Massentierhaltung

Von Renate Künast, Direktkandidatin Tempelhof-Schöneberg, B’90/Grüne

stichel_herbst2013_10Im Wahlkampf geht’s um die Wurst! Klar. Im wahrsten Sinne des Wortes. Unser Umgang mit Lebensmitteln, unsere Ernährungsweise und insbesondere der übermäßige Fleischkonsum geraten immer stärker in den Mittelpunkt politischer und ethischer Diskussionen.

Wir Grüne treiben diese Debatte mit Leidenschaft voran und machen Ernährung bewusst zu einem Wahlkampfthema. Denn: Lebensmittel dürfen keine Billigprodukte sein, die Gesundheit und Wohlbefinden gefährden, durch Raubbau und ohne Respekt vor den Tieren hergestellt werden.

Dass wir Grüne nun in unserem Wahlprogramm einen Veggie-Day vorschlagen, also einmal die Woche vegetarische Gerichte in öffentlichen Kantinen, ist eigentlich keine Revolution. 30 Städte in Deutschland gehen mittlerweile mit ihren Kantinen diesen Weg und offenbar kommt das gut an. Der Veggie-Day soll dazu beitragen, es einfach öfter mal auszuprobieren. Wir wollen lokale Initiativen stärker unterstützen – kein Fleischverbot, kein Veggie-Day-Gesetz.

Dennoch frohlockt besonders die Schar unserer politischen Mitbewerber über diesen Vorschlag. Kann man uns Grüne jetzt nicht fix in die Ecke der Tugendwächter und Besser-Essis schieben?

„Wir brauchen keine grünen Ajatollahs“, so hat sich etwa der alte CDU-Vorkämpfer Heiner Geißler einer ernsthaften Auseinandersetzung mit unserem Fleischkonsum und seinen Folgen entzogen. Schade, wo Geißler gerne mal seine Partei zu mehr Realitätssinn ermahnt, etwa in der Geschlechterdebatte. Aber es ist ja Wahlkampf – da fällt der Blick über den Tellerrand besonders schwer. Dort würde die Union sehen, dass die Gesellschaft auch beim Thema Ernährung längst viel weiter ist.

Für 60 Prozent der Deutschen ist nach einer Studie der Universitäten Hohenheim und Göttingen eine Einschränkung ihres Fleischverzehrs kein Problem. Ein Veggie-Day wird also kaum als Angriff auf Freiheitsrechte empfunden, wie Schwarze und Gelbe weißmachen wollen.

Worum geht es uns Grünen?

Wir wollen im Wahlkampf mit Bürgerinnen und Bürgern über den notwendigen grünen Wandel ins Gespräch kommen. Also auch über gutes Essen. Fakt ist: Jeder Deutsche isst durchschnittlich ein Kilo Fleisch pro Woche, doppelt so viel wie von Ärzten empfohlen. Das geht nicht nur auf Kosten der Gesundheit – in Deutsachland ist mehr als jeder zweite übergewichtig. Sondern die weltweit wachsende Fleischproduktion bedingt auch eine global verzweigte Massentierhaltung, die immer mehr landwirtschaftliche Fläche und Ernte beansprucht und das Klima schädigt.

2,5 Mio. Hektar Ackerfläche dienen in Argentinien nur dem Futtermittelanbau für Deutschland. In Monokultur wird Gensoja von Monsanto angebaut. Das Schädlingsbekämpfungsmittel Glyphosat, das dort nötig ist, verursacht Krebs und Missbildungen.

Wir wollen aber nicht auf Kosten anderer leben und essen. Fleisch in Maßen statt in Massen, das ist unsere Devise. Es richtet sich ganz gezielt gegen die Agrarpolitik der Union. Denn die Ausweitung der Massentierhaltung hat viele Bauern unter Druck gesetzt und manch ländliche Region zum Standort für Megaställe degradiert. Artgerechte Haltung – Tiere sind unsere Mitgeschöpfe – und regional erzeugte Futtermittel sind dagegen Qualitätsmerkmale, die im Interesse von Bauern und Verbrauchern sind.

Es muss Schluss sein mit dem Doping in unseren Ställen. Die Zukunft gehört Lebensmitteln, die nachhaltig erzeugt sind und bei denen man weiß, wo sie herkommen und was drin ist. Das macht richtig Appetit!

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