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05Dez

Frauen sind anders süchtig – Männer auch! Tempelhof-Schöneberg belegt den ersten Rang beim Wettbewerb für Gender Budgeting Verfahren

Sibyll Klotz - Stadträtin für Gesundheit, Soziales und StadtentwicklungVielfältige wissenschaftliche Untersuchungen belegen die geschlechtsspezifischen Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Diese Unterschiede zeigen sich auch im Zusammenhang mit der Entstehung und dem Verlauf von Suchterkrankungen. Unterschiede bestehen besonders im Hinblick auf das Konsumverhalten. Während 2/3 der Männer eher Tabak, Alkohol oder illegale Drogen in missbräuchlicher oder abhängiger Form konsumieren, greifen 2/3 der Frauen eher zu psychoaktiven Medikamenten.

Die Senatsverwaltung für Finanzen und die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen haben einen landesweiten Wettbewerb ausgelobt, der die Bezirke anregen sollte, sich mit der Gleichstellung von Frauen und Männern im Hinblick auf den Einsatz von Finanzmitteln auseinander zu setzen.

Das Konzept aus Tempelhof-Schöneberg wurde von der Abt. Gesundheit, Soziales, Stadtentwicklung, Suchthilfekoordination in Kooperation mit der Frauensuchtberatungsstelle FAM, FrauSuchtZukunft, und der Alkohol- und Medikamentenberatungsstelle des Notdienst für Suchtmittelgefährdete und – abhängige Berlin e.V. entwickelt. Es will eine tiefergehende Auseinandersetzung mit frauen- und männerspezifischer Suchtarbeit in den Einrichtungen der Suchthilfe anstoßen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen durch gezielte Fortbildungsmaßnahmen in die Lage versetzt werden, die besonderen Bedarfe und Bedürfnisse suchtkranker Frauen und Männer zu erkennen und ihre Hilfestellungen darauf auszurichten. Dies stellt eine wichtige Grundlage für die erfolgreiche Beratung, Betreuung und Behandlung der betroffenen Menschen dar.

Denn: Frauen mit Suchtproblemen werden bis heute in zu geringem Umfang von den gemischtgeschlechtlichen Suchthilfeeinrichtungen erreicht. Viele Frauen wagen es nicht, über frauentypische Belastungsthemen, wie z.B. Schwierigkeiten in Partnerschaften, sexuelle Gewalterfahrungen, Prostitution oder Traumatisierungen in der Gegenwart von Männern zu sprechen.

Männertypische Belastungsthemen wie z.B. hoher Leistungsdruck, Versagensängste, Schwierigkeiten, Gefühle auszudrücken, Gewalterfahrungen oder Traumatisierungen werden ebenfalls häufig zu wenig angesprochen. Dabei ist eindeutig nachgewiesen, dass es einen Zusammenhang zwischen verinnerlichten männlichen Normen und süchtigem Verhalten gibt.

Dazu Sibyll Klotz: „Ich freue mich sehr darüber, dass unser Wettbewerbsbeitrag mit 30.000 € prämiert wurde. Mit diesem Geld können wir in Zusammenarbeit mit den beiden Suchtberatungsstellen des Bezirks andere Suchthilfeeinrichtungen für frauen – und männerspezifische Suchtarbeit fortbilden und bestehende Wissenslücken schließen. Langfristig erhoffen wir uns, das bestimmte Zielgruppen wie z.B. medikamentenabhängige Frauen oder suchtkranke Väter sich stärker angesprochen fühlen und von den verbesserten Angeboten profitieren.“

 

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